Landwirtschaft

Arbeiten und leben im Rhythmus der Jahreszeiten

Die soziale Landwirtschaft mit der Versorgung von und Beschäftigung mit den Tieren, dem Gartenbau und der Feld- sowie Forstwirtschaft ist das Kernstück der Arbeit auf dem Merjehop und zeichnet die Einrichtung in besonderer Weise aus. Im Kontakt mit Tieren und dem Boden können sich seelisch erkrankte Menschen im wahrsten Sinne des Wortes „erden“. Die Natur bewertet und verurteilt nicht, sondern nimmt sie so an, wie sie sind. Das hat eine stärkende Wirkung.

Unsere Tiere: Oft fällt es psychisch Kranken schwer, in Kontakt mit anderen Menschen zu treten. Zu Tieren finden sie hingegen meist einen leichten Zugang. Das Streicheln unserer Katzen, Lämmer oder Pferde tut gut. Die Bodenarbeit oder das Reiten der Pferde findet unter fachkundiger Anleitung statt und fordert die Konzentration. Die Bewohnerinnen und Bewohner können ihren Körper und ihre Wirkung auf ein anderes Wesen wahrnehmen und trainieren. Bei der täglichen Versorgung, auch der Schafe, Hühner, Puten, Enten und Aquariumsfische übernehmen sie Verantwortung und lernen besonders auch die Produkte wie Eier, Wolle oder, wenn ein Tier mal geschlachtet wird, das Fleisch zu schätzen.

Ob Schafe, Pferde oder Katzen – Tiere auf dem Merjehop zu versorgen und sich mit ihnen zu beschäftigen, ist Bestandteil der sozialen Landwirtschaft und des Hofkonzeptes.

Unsere Felder und Gärten: Auf den Äckern und in den Gärten des Merjehops gibt es das ganze Jahr über etwas zu tun – von der Vor- und Nachbereitung der Böden über das Säen, Unkraut jäten und das Ernten von Obst und Gemüse bis hin zu deren Verarbeitung und Lagerung. Die Bewohnerinnen und Bewohner können sich je nach psychischer Erkrankung und Tagesform bei einfachen Tätigkeiten wie Gießen oder Laubrechen einbringen oder eigenständig verantwortungsvollere Aufgaben wie das Einsäen und die Verantwortung für einzelne Beete übernehmen. Sie lernen Kräuter, Obst- und Gemüsesorten kennen, sind an der frischen Luft, in Bewegung und können oft unmittelbar die Früchte ihrer Arbeit ernten und genießen. So etwa, wenn die Küche Salzkartoffeln mit Möhrengemüse, Omelett, einem bunten Salat mit Kräutern oder einen Apfelkuchen zubereitet. Die Mischung aus Abwechslung durch die Jahreszeiten sowie konstanten, sich wiederholenden Tätigkeiten bietet im Beschäftigungsalltag gleichermaßen Anregung und Herausforderung sowie verlässliche Größe und Sicherheit gebende Routinen.

Die gemeinsame Heu- und Kartoffelernte mit anschließendem Mittagessen auf dem Acker ist jedes Jahr ein besonders Ereignis.

Unser Wald: Ebenso wie die Landwirtschaft ist auch die Wald- und Holzwirtschaft durch die Jahreszeiten bestimmt. Das „Holzmachen“ ist eine typische Winterarbeit im Freien, wenn die Arbeiten auf dem Feld und in den Gärten ruhen. Speziell geschulte Fachkräfte leiten die Bewohnerinnen und Bewohner bei der Holzgewinnung und –verarbeitung an. Hier – wie auch bei der landwirtschaftlichen Arbeit – werden sie körperlich und in ihrer Konzentration gefordert. Und auch hier erfahren sie den Sinn ihres Tuns, wenn am Abend ein wärmendes Feuer im Ofen prasselt.

Allen oben genannten Arbeiten haben neben der stabilisierenden und stärkenden Wirkung auf die Bewohnenden auch eine soziale und integrierende Komponente in das Dorfgeschehen für sie und das Einrichtungs-Team. Der Merjehop hat diverse Kooperationen mit landwirtschaftlichen Betrieben des Ortes: Wir kaufen Maschinen zusammen, leihen uns gegenseitig Werkzeuge aus und helfen uns bei der Ernte. Die hofeigene Reithalle wird auch von Reitern aus der Region genutzt.